... wer einmal da war, möchte wieder hin!
Hunderttausende besuchen jedes Jahr die stimmungsvolle Altstadt zu Füßen
des gotischen Münsterturmes, und vor allem im Hochsommer kann man das
berühmte südländische Flair fast mit den Händen greifen.
Wenn die Deutschen gefragt werden, wo sie am liebsten wohnen würden,
antworten viele: in Freiburg! Die von 1850 Sonnenstunden im Jahr verwöhnte
Stadt im Breisgau liegt wie München beim 48. Breitengrad. Südbadische
Lebensart in einer idyllischen Altstadt, den Schwarzwald im Rücken,
ringsum Weinberge, die Schweiz und das Elsaß in Ausflugsnähe. Urlauberherz
- was willst du mehr?!
Freiburgs Innenstadt, bei einem
Luftangriff 1944 zu zwei Dritteln zerstört und nach dem Krieg stilgetreu
wiedererstanden, mag manchem Besucher wie eine aufgeräumte Puppenstube
vorkommen. Die Sehenswürdigkeiten liegen angenehm dicht beieinander: am
Münsterplatz das ochsenblutrote Historische
Kaufhaus; nur ein paar Schritte weiter das barocke
Wentzingerhaus, Sitz des Museums für Stadtgeschichte; das
mittelalterliche Martinstor am Südende der Altstadt, das
Schwabentor im Osten; der von Kastanien beschattete
Rathausplatz; das "Haus zum Walfisch",
wo Erasmus von Rotterdam drei Jahre lang lebte. Nur ganz selten fällt
übrigens jemand beim Schauen die vom Stadtfluß Dreisam
gespeisten Bächle, die Freiburgs kopfsteingepflasterte
Gassen durcheilen.
Im Sommer erklingt an jeder zweiten Straßenecke eine
andere Melodie. Musikanten aus Prag, Berlin, Dublin und La Paz unterhalten
ein aufgeschlossenes Publikum mit Klassik, Dixieland und Folklore. Auf dem
Rathausplatz lassen englische Gaukler die Bälle und
Keulen fliegen. Aber ganz so liberal ist Freiburg denn
doch nicht: Eine Verordnung regelt genau, wer wann wo wie lange auftreten
darf. Auch das Zeltmusikfestival, das jedes Jahr im Juni
Zehntausende mit Rock, Jazz, Kabarett und Sinfonien begeistert, wurde auf
die grüne Wiese im Westen der Stadt verbannt.
Doch die städtische Obhut hat auch ihre guten Seiten:
Freiburg ist flächendeckend verkehrsberuhigt,
Falschparker werden gnadenlos abgestraft. Dafür wurde die übertragbare
Dauerkarte für öffentliche Verkehrsmittel zum vielgelobten Ökomodell.
Schließlich will man sich den Platz an der Sonne nicht unnötig verpesten
lassen. Auch der Urlauber sollte das günstige Angebot für Busse und Bahnen
mit einem Streckennetz bis weit in den Schwarzwald nutzen.
Man braucht nur einmal über den
Wochenmarkt rund ums Münster zu
schlendern, um zu begreifen, wie sehr Freiburg trotz
Universität und Beamtentum seiner schönen Umgebung verbunden geblieben
ist. Die Bauern haben auf ihren Ständen alle Schätze der Region
ausgebreitet, wie sie die Jahreszeit reifen läßt: Munzinger Spargel, rote
und gelbe Apfelberge aus dem Breisgau und der Ortenau, blaue Trauben,
Sonnenblumen und Walnüsse vom Kaiserstuhl, Schwarzwälder Heidelbeeren,
Bühler Zwetschgen, außerdem knusprige Brotlaibe aus Holzöfen, Schnaps,
Speck, Schinken... Auf der Nordseite des Münsters kaufen die Kenner ein -
direkt beim Bauern! Südlich des Gotteshauses sitzen die Händler. Gegen elf
Uhr wird es eng, weil auch die Freiburger hier ihre Körbe füllen - und
später am Bratwurststand ihre "Rote" mit Senf und
Zwiebeln verzehren.
Die "Bobbele" - nur die gebürtigen Freiburger erlauben
es einander, sich so anzureden - finden immer Zeit für ein Schwätzchen.
Man merkt es nicht nur an den guten Konditoreien und Cafés, daß
Freiburg einst eine vorderösterreichische
Provinzhauptstadt war. Hier geht alles gemütlich zu. Bei
"Oberkirchs", den Weinstuben auf der Südseite des
Münsterplatzes, ist das badische "Viertele" zu Hause, und drinnen rinnen
der leichte Gutedel aus dem Markgräflerland oder der
lebhafte Spätburgunder vom Kaiserstuhl fast so gut in die
Kehle wie auf der Terrasse. Doch beim Genießen wird Maß gehalten:
Lautstarke Weinseligkeit ist dem Alemannen fremd, und der Schnelltrinker
wird ermahnt, die beim alljährlichen Weinfest auf dem
Münsterplatz doppelte Wirkung von Wein und Sommerhitze nicht zu
unterschätzen.
Das Münster ist in der
Schwarzwald-Hauptstadt noch immer das Maß aller Dinge. Für die Freiburger
gehört es sozusagen zur Familie, aber die Besucher kommen aus dem Staunen
kaum heraus. Mit seinem lichtdurchfluteten Mittelschiff,
dem unerschöpflichen Figurenreichtum und dem meisterlichen
Hochaltar von Hans Baldung Grien zählt die fast 800 Jahre
alte Pfarrkirche zu den grössten Triumphen gotischer Baukunst. Gerade weil
die 116 Meter hohe Turmspitze des Münsters scheinbar so
schwerelos und zerbrechlich ist, konnten ihr 1944 die Druckwellen der
Fliegerbomber nicht schaden. Einmal im Leben sollte man die 329 Stufen der
Wendeltreppe erklimmen - vielleicht nur nicht gerade
während des dröhnenden Mittagsgeläuts. An klaren
Föhntagen reicht dann der Blick bis weit hinaus auf die im Westen
ausgebreitete Freiburger Bucht: ein sattgrünes Meer von
Feldern und Gärten, aus dem der Kaiserstuhl aufragt wie
eine Insel.
| Freiburgs sehenswerte
Bauten |
Am bedeutendsten
und eines der schönsten Werke gotischer Baukunst in Deutschland
ist das Münster "Unserer Lieben Frau" mit
seinem filigranen, 116 m hohen Turm (besteigbar, überwältigender
Ausblick). Das Münster wuchs in 3 Jahrhunderten und vereint
mit dem spätromanischen Querschiff (um 1200), dem frühgotischen
Landhaus (1220/60), dem hochgotischen Turm (1301 vollendet) und
dem spätgotischen Chor (1354/1513) vier Stilphasen der Kunstgeschichte.
Im Inneren sind vor allem das Hochaltarbild von Hans Baldung Grien
(1512/16), das Altarbild von Hans Holbein d.J. (1521) in der Universitätskapelle
und die Glasgemälde (13./14. Jh.) in den Seitenschiffen zu
beachten.
Rings um den Münsterplatz stehen das Historische
Kaufhaus (1522/32) mit seinen Arkaden, das Kornhaus (15
Jh., 1969/71 wiederaufgebaut) mit seinem Treppengiebel und
der spätgotische Fischbrunnen (1483)
mit seinem farbig bemalten, 6 m hohen Brunnenstock
Die Kaiser-Joseph-Straße, Nord-Südachse
der Altstadt, ist Hauptgeschäftsstraße und wie die
gesamte Innenstadt Fußgängerzone. Dort liegt der Basler
Hof, ein Renaissancebau (1496) und seit 1953 Sitz
des Regierungspräsidiums Südbaden. Weiter südlich
stehen der Bertoldsbrunnen mit einer Reiterfigur
des Mitgründers der Stadt und das Martinstor (um
1201) mit seinem steilen Kupferdach (um 1900). Dahinter geht
es in die idyllische Gerberau und das ebenso
malerische Insel-Viertel.
Vom mediterranes Flair ausstrahlenden Augustinerplatz gelangt
man über die Salzstraße zum Oberlinden-Platz,
wo alte Bürgerhäuser, ein Brunnen und
das Schwabentor (um 1250) ein ansprechendes
Ensemble bilden. Ein besonders geglücktes Stück Altstadtsanierung
zeigt die Konviktstraße. Einen Abstecher
lohnt der Schloßberg mit schöner
Aussicht auf die Stadt.
Westl. der Kaiser-Joseph-Straße kommt man zum spätgotischen Alten
Rathaus (1556/61) mit Glockenspiel (tgl.
12.03 Uhr); davor das Bertold-Schwarz-Denkmal (1853)
für den Erfinder des Schwarzpulvers (um 1353). Hinter
der frühgotischen Martinskirche (13./14.
Jh.) liegt das Haus zum Walfisch mit seinem
prächtigen Portal und Erker.
Das Südwestviertel der Altstadt wird von den Gebäuden
der Albert-Ludwigs-Universität geprägt;
der Name der Universität erinnert an ihren Gründer,
Erzherzog Albrecht VI. von Österreich, so wie an Großherzog
Ludwig von Baden, der im 19. Jh. ihren Fortbestand sicherte.
Typisch für die gesamte Altstadt sind die offenen "Bächle",
die im Mittelalter sowohl der Brandbekämpfung als auch
als Viehtränken dienten. |
Freiburgs Museen
- AUGUSTINER-MUSEUM
am Augustinerplatz
Kunst des oberrheinisch-alemannischen
Kulturgebietes mit Schätzen des ehemaligen Dominikanerklosters Adelhausen
und des erzbischöflichen Diözesanmuseums sowie Originalen aus dem
Münster.
(Di. - Fr. 09.30 - 17.00 Uhr / Sa. + So. 10.30 - 17.00 Uhr)
- MUSEEN FÜR NATUR-
UND VÖLKERKUNDE in der Gerberau
Umfangreiche Sammlungen
aus aller Welt
(Di. - Fr. 09.30 - 17.00 Uhr / Sa. + So. 10.30 - 17.00 Uhr)
- MUSEUM FÜR NEUE
KUNST in der Marienstraße
Expressionismus, Neue Sachlichkeit und Abstraktion nach 1945
(Di. - Fr. 09.30 - 17.00 Uhr / Sa. + So. 10.30 - 17.00 Uhr)
- MUSEUM FÜR STADTGESCHICHTE
im palaisartigen Wentzingerhaus
(Di. - Fr. 09.30 - 17.00 Uhr / Sa. + So. 10.30 - 17.00 Uhr)
- MUSEUM FÜR UR-
UND FRÜHGESCHICHTE im Colombischlößle
(Di. - Fr. 09.30 - 17.00 Uhr / 10.30)
- DIE ZINNFIGURENKLAUSE
im Schwabentor...
...präsentiert diese metallenen Miniaturen in liebevollen
Arrangements (21.05. - 03.10.)
(Di. - Do. 14.30 - 17.00 Uhr / Fr. 09.30 - 17.00 Uhr / Sa. + So. 12.00 -
14.00 Uhr) - 17.00 Uhr)
- Das FREIBURGER FASNET-MUSEUM
in der Turmstraße 14...
... ist das Zunfthaus der Narren
(Sa. 10.00 - 14.00 Uhr und nach Vereinbarung)
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